Was kann Management von Kunst lernen?

Wie stärke ich kreative Kompetenzen in öffentlichen Institutionen und Unternehmen? Diese Frage stand im Mittelpunkt unseres KreativLabs#4 im Mehrgenerationenhaus Zebef e.V. in Ludwigslust. Antje Hinz, die als Journalistin zahlreiche Manager, Künstler und Mitarbeiter in Unternehmen und öffentlichen Organisationen befragt hat, gab uns Einblicke in die Prozesse und Ergebnisse von kreativen oder künstlerischen Interventionen in Organisationen.

 

Quer-Denken erwünscht: kreative Interventionen

„Beim Weltwirtschaftsforum in Davos wurde 2016 Kreativität als drittwichtigste Kompetenz definiert, die Wirtschaftsunternehmen brauchen, um heute konkurrenzfähig zu bleiben“ berichtet Antje. „Um Kreativität von Menschen zu wecken, ist es wichtig, festgefahrene Routinen, Kommunikationsmuster, Regeln, Erwartungen und erstarrte Strukturen aufzubrechen. Eine sehr effektive Methode dafür ist die künstlerische Intervention: Kreative werden für begrenzte Zeit in Unternehmen oder öffentliche Organisationen integriert und intervenieren mit ihren eigenen künstlerischen Ideen und Techniken. Sie bearbeiten Fragestellungen und Herausforderungen gemeinsam mit Mitarbeitern und Teammitgliedern mit künstlerischen Methoden und finden dadurch innovative Lösungsansätze.“

Die Ergebnisse sind verblüffend: Der künstlerische Aktionstag „Fliegen retten in Deppendorf“ brachte nicht nur ein fulminantes Medienecho, sondern leitete die gesamte Firmenphilosophie eines Biozid-Herstellers in neue, zukunftsweisende Bahnen. Der Künstler Walbrodt gestaltete das Großraumbüro eines IT-Unternehmens komplett um, so dass sich das Arbeitsklima und die Leistungen der Mitarbeiter enorm verbesserten. In Rotenburg/Wümme kommunizierte der Wettbewerb „VON KUNST ZU KUNST“ das Unverwechselbare der Region nach innen und außen und lieferte den Beweis: Kunst lässt Menschen, Aktionen und Regionen sichtbar werden und bewegt Menschen.

„Ich war immer offen für innovative Dinge, wollte etwas bewegen, aber mir fehlte das Werkzeug dazu.“

Der Bielefelder Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus über die künstlerische Intervention „Fliegenretten in Deppendorf“

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Können wir das auch? Na klar!

Eigentlich kommt es nur darauf an, sich auf den Prozess einzulassen. „Um eine erfolgreiche künstlerische Intervention durchzuführen, braucht es einen ergebnisoffenen Ansatz: Neugierde, Offenheit und Mut“, resümiert Antje. „Organisationen werden heute als ‚permanent lernende‘ verstanden, die sich ständig weiterentwickeln. Die Mitarbeiter gestalten den Prozess in gemischten Teams selbst, statt vorgegebene Verfahren zu übernehmen.“

Im anschließenden Workshop brachten die TeilnehmerInnen im Rahmen eines Barcamps zunächst Fragestellungen ein, die ihnen unter den Nägeln brennen und für die wir im Wanderformat eines „World-Cafés“ eine kreative Ideenfindung initiieren wollten:

  1. Wie lässt sich die Identifikation der Bevölkerung mit der Region – das WIR-Gefühl – stärken?
  2. Wie können wir Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Verwaltung dazu motivieren, sich für ihre Region zu engagieren?
  3. Wie lassen sich Partner für Finanzierung und Antragstellung zur Realisierung kreativer und sozialer Projekte finden?

Hier findet Ihr die vollständige Dokumentation des KreativLabs.

Hier der Link zu Antjes Präsentation.

Ausführliche Reportagen, Interviews, Podcasts und Filme findet Ihr auf Antjes Medienportal.

Unser Fazit:

In so kurzer Zeit eine Menge Denkanstöße! Die Kreativen haben ein großes Potenzial, die regionale Identität zu stärken und Menschen zu „freudvoller Aktivität“ zusammenzubringen – und damit das WIR-Gefühl zu fördern. Die Kreative MV und der Kreiskulturrat arbeiten daran, „Förderhürden“ zu senken und den Dialog zwischen Kultur/Kreativwirtschaft und Verwaltung/Politik zu intensivieren.

Die Leistungen der Kreativen zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts – in der Wirtschaft spricht man von „sozialem Kapital“ – werden von der Politik zunehmend als Wert begriffen, der auch honoriert werden muss. Wir sprechen daher lieber von „Honorierung“ und „Investition“ als von „Förderung“ und „Anträgen“. Fehlender sozialer Zusammenhalt kostet viel öffentliches Geld. Dieses Geld wäre sicherlich fruchtbarer – und freudvoller – in kreative Leistungen investiert. Dazu braucht es starke Partnerschaften zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Kultur.

Wir sind dabei! Ihr auch?

Meldet Euch gern bei uns, wenn Ihr die Ideen weiter voranbringen wollt! Wenn genügend Interessenten dabei sind, gründen wir eine Projektgruppe „kreative Regionalentwicklung“!

Fragen und Anregungen? Unser Kontakt:

Kreative MV, kontakt@kreative-mv.de , https://www.facebook.com/kreativsaison

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