KreativLab #10

 

Wie finde ich Mitstreitende für meine Projekt- oder Geschäftsidee? Akquise und Crowdfunding für Kreative

 


KreativLab am 19.10.2017, 14-19.30 Uhr

Ortserkundung auf dem Gelände des Freiland-Festivals: Kulturgut Freiland, Feldweg 1, 17129 Broock / Alt Tellin

Workshop und Vernetzungstreffen in der Burg Klempenow |  Klempenow 15 | 17089 Breest

Hier findet Ihr die Dokumentation zum Download

Ortserkundung Broock_Zeltplatz

Beim KreativLab in der Burg Klempenow stand die Crowdfunding-Expertin Anja Thonig vom Crowdfunding Campus Künstlern und Kreativen mit Rat und Tat zur Seite: Welche Crowdfunding-Kampagnen haben gut funktioniert und warum? Welche weiteren Akquise-Instrumente sind für kreative Projekte, Produkte und Dienstleistungen zu empfehlen? Die TeilnehmerInnen des Labs stellten eigene Projekt-Ideen vor, für die im interaktiven Workshop gemeinsam Strategien entwickelt wurden, um diese Ideen erfolgreich zu finanzieren. Crowdfunding-Kampagnen sind aufwändig, können aber mehreren Zielen dienen, die jeder unternehmerisch denkende Mensch ohnehin auf dem Schirm haben sollte: Kundenbindung, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Marktrecherche, Überprüfung des Konzepts und  des Teams, Ideenfindung durch Crowdsourcing etc.

Wichtig: Ohne fundierte Beratung werden viele Anfängerfehler gemacht. Da die Zeit für eine intensive persönliche Beratung zu knapp war, bietet Anja für die TeilnehmerInnen eine kostenfreie „Nach-Beratung“ an. Danke, Anja!!

Hier der Link zu Anjas Präsentation

Impuls Anja Thonig

Unser Fazit

In der Region Vorpommern/Seenplatte entstehen buchstäblich auf der „grünen Wiese“ kreative Projekte, die aus der „Problemzone“ des Landesentwicklungsplans blühende Landschaften machen. Und das nicht nur mit netten Worten, sondern mit Taten! Um diese intrinsisch motivierten Raumpioniere nachhaltig zu fördern, braucht es eine bessere Kooperation mit Kommunen und Wirtschaftsförderung. Um im Bild zu bleiben: Die zarten Pflänzchen müssen angossen werden, damit sie starke Wurzeln bekommen und ihre Prachtblüte entwickeln können!!

Die Städtebauförderung sollte über geringere Eigenmittel der Antragsteller nachdenken oder/und gemeinsam mit Regionalentwicklern Programme entwickeln, die nicht nur die Kosten für die Gebäudesanierung betrachtet, sondern auch die erweiterten regionalen Wertschöpfungsketten durch kulturelle Belebung in die Gesamtrechnung einbezieht.

Wir verfolgen das Thema weiter in unserem Wettbewerb „Kreative für MV – MV für Kreative“, bei dem es 2018/19 um soziale Innovationen durch kreative Raumpioniere in ländlichen Regionen geht. Start: 23.11.2017 bei unserer Landesbranchenkonferenz KREATOPIA in Rostock. Ziel: Politik und Verwaltung das geballte Potenzial bei uns im Land zeigen, das durch Raumpioniere generiert wird!! Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat die Schirmherrschaft zugesagt – das lässt hoffen, dass wir im Zuge der Imagekampagne auch die Ministerien für Wirtschaft, Landwirtschaft und Kultur sowie das Landesmarketing ins Boot kriegen, um endlich eine nachhaltige Regionalentwicklung durch Kultur- und Kreativwirtschaft in den Förderprogrammen zu fixieren, dem demografischen Wandel aktiv gestaltend zu begegnen und das ‚Kreativland MV‘ imagebildend einzusetzen. Segel setzen und volle Kraft voraus!

Broock_Wegweiser

 

Ortserkundung Kulturgut Freiland

Wir, der Kulturgut Freiland e.V., ein Zusammenschluss junger Menschen, verwurzelt in Mecklenburg-Vorpommern, engagieren uns seit dem Jahr 2013 in der Kulturarbeit im Land. Als buntes Kollektiv agieren wir aus der Überzeugung heraus, dass Kunst für unser Dasein nicht nur bereichernd, sondern notwendig ist.

Mit unserem Schaffen wollen wir Zukunft selbst gestalten. Abseits des ökonomisch bestimmten Alltags öffnen wir einen Raum für die Kultur, um für sie einen Platz zu schaffen in der Lebenswelt unserer Mitmenschen und im Besonderen von Kindern und Jugendlichen.

Dieser Raum soll Alternativen zum durchgetakteten, optimierten Leben in der Postmoderne aufzeigen, entwickeln und gestalten. Wir wollen die Isolierung des Menschen durch einen pervertierten Individualismus in der neoliberalen Ära nicht hinnehmen.

Im furchtlosen Miteinander bildet sich durch unser Tun Gemeinschaft. So verstehen wir uns nicht nur als Akteure der Kulturarbeit, sondern auch als Pioniere eines neuen Gemeinwesens. Kultur ist im unserem Sinne nicht nur etwas, das präsentiert und rezeptiert werden kann, mit ihr wollen wir gesellschaftlichen Wandel nicht nur abbilden und begleiten, sondern anschieben und mitgestalten.

Und darum geht’s bei unseren High Potentials:

Eric Mulsow und Robert Koch stellten den  Kulturgut Freiland e.V. vor. Sie haben eine verlassene Kieskuhle von 16 Hektar gekauft, die sie seit 7 Jahren als Festivalgelände ausbauen. Beim letzten Freiland-Festival waren 200 kreative Akteure beteiligt, die ein Programm für 1000 Gäste boten, die in 500 Zelten auf dem dazugepachteten Gelände übernachteten. Das Gelände wird auch für andere Veranstalter vermietet, gerade war das Humus-Festival da, das 10 Tage lang das Thema Permakultur/ökologisch Landwirtschaft vermittelte. Oder auch die Desert Session, bei der 10 Tage lang die Jam Session aus Potsdam gastierte. Wer hier nicht das Potenzial für Tourismus und soziale Innovation erkennt, muss blind sein! Die gute Nachricht: 2017 hat das Berliner Architekturbüro von Stefan Klinkenberg das Schloss Broock gekauft – er will die baufällige Ruine, die schon mehrfach ohne Erfolg zwangsversteigert wurde, in einem partizipativen, nachhaltigen Prozess neu entwickeln, mitsamt dem nahegelegenen Sanierungsfall Bahnhof Sternfeld. Da kommt die benachbarte Kieskuhle mit ihrer WoManPower gerade recht. Eine Zusammenarbeit wurde bereits eingefädelt.

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Undine Spillner als unsere Gastgeberin stellte den Verein Burg Klempenow vor. Seit mehr als 20 Jahren bietet der Verein Kunst-Kultur-Begegnungsräume, Märkte, Konzerte, Kunsthandwerkerfeste, Theater, Kino, Kinder und Jugendprojekte. Undine ist Programmleiterin des Festivals der NEUE HEIMAT film. Alle diese Initiativen sieht sie als neue Form der Regionalentwicklung ‚von unten‘:

„Es geht vor allem darum, Freiräume zu schaffen, die Menschen inspirieren, sich zu engagieren. Die Schönheit der Landschaft zieht Menschen an. Die Verwaltung muss keine Entwicklungspläne schaffen – Verwaltung und Initiativen sollten eng zusammenarbeiten, um die Region möglichst ohne bürokratische Hürden gemeinsam zu entwickeln. Dann nehmen die Menschen ihre Daseinsvorsorge selbst in die Hand.“

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Wer um Himmels willen ist die Fette Elke? Die Idee für den Teaser zur Crowdfunding-Kampagne ist schnell geboren. Des Rätsels Lösung: Elke ist ein mobiles Tanzlokal im umgebauten Sprinter, mit dem Sebastian Schubert Dorffeste und Familienfeiern durch urbane Tanzkultur aufmischt (Schlager geht auch, dann muss er aber einen externen DJ einkaufen). www.fb.com/FetteElkeTanzlokal

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Der Architekt und Multi-Künstler Kostka hat bereits 5 postindustrielle Objekte – Wassertürme, Getreidespeicher – erworben, die er durch Raumtransformation in die postindustrielle Ära überführt: durch Kulturveranstaltungen, Gastgewerbe etc. Kostka plant ein Museum der Vierten Dimension. Er hat 30 Jahre in der Kölner Region gelebt, nun haben ihn seine deutsch-polnischen Wurzeln nach Vorpommern/Uckermark zurückgeholt. Er stellte einen mega-nostalgischen Fotoband vor, mit Fotos von Konzerten mit Jazz-Größen, die zu Zeiten des Ostblocks konspirativen Geist nach West-Pommern brachten und auch von DDR-Bürgern mit Freude besucht wurden.

Die Kulturmanagerin Sarah Dittrich hat in Demmin gemeinsam mit ihren Lebenspartner ein großes Stadthaus erworben, mit 5 Wohnungen, 2 Gewerbeflächen und viel Sanierungsbedarf. Sarah hat vorher in Leipzig gelebt und vermisst in Demmin ein buntes Kulturleben. Was es nicht gibt, muss man selbst starten: Das Projekt trägt den Arbeitstitel ‚Kulturzentrum Demmin‘ und ist offen für MitstreiterInnen und Ideen. Im Haus wäre Platz für einen Workshopraum, Kino, Geschäft für Künstlerbedarf… ein Co Working Space wäre ideal für die Bespielung der Gewerbeflächen. Die Stadtverwaltung sucht übrigens dringend Ideen für die Stadtentwicklung: Here we go!!!

Simon Günzel und seine MitstreiterInnen finden, dass das pädagogische Angebot für die Kleinsten im Tollensetal, naja, entwicklungsbedürftig ist. Wieso gibt es eigentlich in Berlin 30 Waldkindergärten, im Naturparadies MV aber fast gar keine? Der Verein „Natürlich Lernen am Tollensetal e.V.“ stellt den Wald-und-Wiesen-Kindergarten nun selbst auf die Beine. Wäre ja nicht schlecht, wenn die zukünftigen Generationen wieder lernen würde, MIT der Natur zu leben, anstatt GEGEN sie. Per Crowdfunding wollen sie eine Starthilfe generieren für die ökologische Sanierung von Holzbungalows als Schutzhütte für die Kinder in Kooperation mit der Architektengruppe vom Olgashof bei Wismar.

Christine Jendsch stellte den Chamäleon Stralsund e.V. vor: Der Verein Chamäleon arbeitet sowohl im Bereich der offenen Jugendarbeit, der Jugend- und Schulsozialarbeit als auch im Bereich der Hilfen zur Erziehung, insbesondere im Bereich der stationären Jugendhilfe, Suchtprävention, Integration von minderjährigen Geflüchten uvm.

Die Crowdfunding-Expertin Anja Thonig war begeistert von Euren Projekten!

Ihr Urteil: Für alle lässt sich eine gute Crowdfunding Kampagne starten, mit großem Erfolgspotenzial. Auch wenn sich durch Crowdfunding gerade bei Sanierungsprojekten nur Teilfinanzierungen erreichen lassen, vereinfacht die Unterstützung der Crowd die weitere Akquise bei Stiftungen, Sponsoren, Kommunen etc, da öffentliches Interesse gezeigt wird.

In diesem Sinne: Loslegen und Durchstarten!

 

Die KreativLabs finden im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit statt und werden von der Kreative MV – dem Netzwerk für Kultur- und Kreativwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern – durchgeführt. Wir danken der Burg Klempenow für die wundervolle Gastfreundschaft an diesem inspirierenden Ort!

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